MARISA KNIERIM

VOM HERD AUFS PFERD

Poletto

Eigenes Restaurant, eigene Kochsendung im Fernsehen, neue Kochbücher – der Tagesablauf der Eppendorfer Sterne- und Fernsehköchin Cornelia Poletto ist straff organisiert. Und das ist auch gut so, denn neben der Karriere kommt auch der wichtigste Mensch in ihrem Leben nicht zu kurz: ihre siebenjährige Tochter Paola. Das Alster-Magazin traf Mutter und Kind bei ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung: dem Reiten!

 

Sich in der Woche einmal eine Reitstunde gönnen? Für die Eppendorfer Sterneköchin Cornelia Poletto der pure Luxus. Umso mehr freue ich mich, dass sich die 38-Jährige im Anschluss noch die Zeit für einen Latte Macchiato im Café des Reitstalls Tangstedt nimmt und mir einen kleinen Einblick in ihr Privatleben gewährt. „Ich bin ein klassiches Scheidungskind. Im August 1971 in Hamburg geboren und dort anfangs auch aufgewachsen, trennten sich meine Eltern, als ich acht Jahre alt war. Ich zog mit meiner Mutter und meinem Bruder nach Nordrhein-Westfalen und besuchte ab der 2. Klasse eine Schule zwischen Paderborn und Bielefeld. Eine wirklich schöne Gegend, zum Großwerden genau richtig.“

Eigentlich wollte die damals kleine Cornelia – obwohl sie schon immer gerne witzige Torten und Kuchen backte – einmal Tierärztin werden. Warum daraus nichts wurde? „Ich war einfach zu faul in der Schule, habe viel zu viel Quatsch im Kopf gehabt und somit nicht einmal mein Abitur geschafft.“ Zum eigenen und Glück aller Feinschmecker entwickelte sich aus dem Kochen und Backen eine richtige Leidenschaft.

Mit 20 zog es die junge Frau dann raus aus der Idylle und zurück in die Großstadt. Den beispielhaften Ausbildungsweg zur Köchin kurz und knapp zusammengefasst: Erste Station das Vierjahreszeiten in Hamburg und zweite Station bei Heinz Winkler im Tantris in München, dem damals jüngsten 3-Sternekoch und Nachfolger von Eckardt Witzigmann. „Nach der Ausbildung habe ich in Bayern kurze Zeit in einem Golfclub gekocht. Doch schon bald ging es es wieder gen Norden zu ,Anna e Sebastiano‘ nach Eppendorf – das erste Restaurant in ganz Deutschland, in dem sich eine Frau einen Michelin-Stern erkochte. Drei Jahre habe ich dort als Sous-Chefin mit sehr viel Spaß gelernt, was italienische Küche bedeutet“, erinnert sich die erfolgreiche Unternehmerin zurück. Danach folgte das Angebot als Küchenchefin im Fiorano. Dort lernte Cornelia Poletto ihren Ex-Mann Remigio kennen, der für den Service zuständig war. „Im Oktober 2000 eröffneten wir das jetzige Poletto – vorher wurde noch schnell geheiratet.“ 2002 war für die Polettos ein großes Jahr: „Im Februar kam unsere Tochter Paola zur Welt und Ende des Jahres erhielten wir den Michelin-Stern. Die Bewertungen wurden immer besser, das Restaurant immer ausgebuchter. Tja, und nun sind wir schon seit neun Jahren dabei – natürlich auch mit vielen Veränderungen sowohl privat als auch beruflich: Mein Mann und ich haben uns vor fast zwei Jahren getrennt.“

Ihr Einstieg ins Fernsehen war mehr oder weniger Zufall: „Ein Stammgast buchte 2005 bei mir einen Kochkurs für sich und seine besten Freunden, zu denen auch Johannes B. Kerner zählte. Und der wiederum war so begeistert, dass er mich fragte, ob ich nicht mal in seine neue Sendung Kerners Köche kommen möchte.“ Und damit nicht genug: Seit zwei Jahren ist die hübsche Köchin mit ihrer eigenen Sendung „Polettos Kochschule“ im NDR zu sehen und bringt u.a. begleitend dazu auch noch Kochbücher wie das neue „Mein Grundkurs für Einsteiger“ heraus. Auf eine weitere Neuerscheinung „Die Babyformel“, das sie gemeinsam mit ihrem Vater Prof. Klaus Diedrich, dem Leiter der Klinik für Frauenheilkunde in Lübeck, schrieb, ist sie ganz besonders stolz.

Und wie bekommt man all das unter einen Hut? Mit einer gehörigen Portion Organisationstalent: „ Ich stehe um 6.30 Uhr auf und mache für meine Tochter und mich Frühstück. Dann bringe ich Paola in die Schule. Gegen 8.30 bin ich im Restaurant. Dort wartet meist die Buchhaltung oder ein Interview- oder Fototermin. Ab 12 Uhr beginnt dann das Mittagsgeschäft. Ich rede gerne mit meinen Gästen. Bei mir soll nicht nur die Küche grandios sein – auch das ganze Drumherum muss stimmen. Als Restaurantchefin, Köchin, Gastgeberin und Kochlehrerin wird es also nie langweilig. Und mitten im Mittagsgeschäft kommt dann meine siebenjährige Tochter zum Essen um die Ecke. Sie ist kulinarisch schon verwöhnt, aber es ist nicht so, dass sie mit einer Dose Kaviar in die Schule geht. Anschließend machen wir die Hausaufgaben. Nachmittags fahren wir, wie heute z.B., in den Reitstall und besuchen unser Pony „Schoki“ – so ein kleines, aber liebenswertes Miestvieh mit dickem Bauch. Schoki macht so ziemlich alles, was es nicht darf, aber nichts, was es soll. Deshalb haben wir seit Kurzem auch das große Endmaß-Pony ,Hibu‘, auf dem wir beide reiten können. Ich finde es einfach fantastisch, Lebewesen in meiner Nähe zu haben, um die man sich kümmert. Ein Pferd ist ein lebendiges Sportgerät. Das macht einfach einen Riesenspaß und den Kopf klar und lässt einen für kurze Zeit in eine andere Welt abtauchen. Ab 18 Uhr bin ich zum Abendgeschäft wieder im Restaurant und zwischen 24 und 1 Uhr ist mein Tag dann vorbei. Ein straffer Zeitplan, wobei mir der Nachmittag mit meiner Tochter wirklich heilig ist.“

Apropos „heilig“: Wie wird bei den Polettos eigentlich Weihnachten gefeiert? „Paola und ich haben beschlossen, zu Hause zu feiern: mit Weihnachtsbaumschmücken und allem, was sonst noch so dazu gehört. Dann laden wir, wie im letzten Jahr, viele Freunde ein, kochen, quatschen und haben viel Spaß am Tisch. Dieses Jahr wird es wohl wieder einen unter der Haut getrüffelten Kapaun geben, das ist ein kastrierter Hahn, der so gut schmeckt, dass man sich um Beilagen kaum mehr kümmern muss – höchstens ein cremiges Kartoffelpürree.“ Konkrete Pläne und Wünsche für die Zukunft hat Cornelia Poletto eigentlich nicht. „Ich möchte auf jeden Fall in meinem Restaurant bleiben und zum zehnten Jubiläum im nächsten Jahr sind dann auch die Renovierungen abgeschlossen. Ich find´s toll, wie es jetzt läuft, und lasse mich einfach überraschen, was noch so kommt.“

Foto: Anna-Lena Ehlers


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PROFIL

J. Pulitzer: „Schreibe kurz und sie werden es lesen.“ Eine Zusammenfassung meiner beruflichen Stationen.


REFERENZEN

L. Tolstoi: „Beim Lesen lässt sich vortrefflich denken.“ Eine Auswahl meiner Arbeitsproben.


KOLUMNE

„Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst!“ Bunte Anekdoten aus dem grauen Alltag.


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